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So starb Aisha. Es war kurz vor 16 Uhr am Samstag dem 10. Dezember 2005. Ich saß am Laptop und hatte gerade den String für einen Counter kopiert, da fing Aisha, -die bei mir unten auf dem Teppich am Stuhl lag,- ganz laut an zu weinen „auh, auh, auh.....“ ich habe sie geschnappt und bin mit ihr ins Schlafzimmer gelaufen. Karl-Heinz brachte gerade auf dem Garagendach eine Überwachungskamera an. Ich habe durch´s offene Schlafzimmerfenster gerufen „Schatzi komm ganz schnell, unsere Aisha stirbt!“ Aisha hat fast 4 Stunden im Todeskampf gelegen. Nach der 1. Stunde habe ich hin und her überlegt, soll ich mit ihr zum Tierarzt fahren, soll ich ihr diese sterile Atmosphäre zumuten, soll ich ihr überhaupt die Fahrt über die holprigen Strassen zumuten? Vor allem am Wochenende gibt es hier ja nur einen Notdienst, ich wusste nicht mal, zu welchem Tierarzt wir fahren mussten. Dies herauszufinden hätte viel Zeit gekostet. So konnte sie aus dem Fenster schauen, Muckelchen hat sich draußen ganz hoch gereckt, er wollte rein, aber das Fenster war ja ausnahmsweise zu. Er hat seine Schwester lange angeschaut und sich dann auf die Fensterbank gelegt. Dort lag er bis Aisha tot war, dann war er für Stunden verschwunden. Mickey kam ebenfalls zum Fenster um zu schauen, auch Amber. Moritz und Köpfchen lagen im Hof. Sie haben alle gemerkt das da etwas nicht stimmte. Nein, ich wollte Aisha bei uns lassen, sie sollte in der gewohnten Umgebung von uns gehen und ich habe inbrünstig gebetet das sie nicht lange leiden muss. Die
ersten 2 Stunden hat sie meist auf dem Bauch gelegen, den Kopf hoch
gehoben und hat an allem was um sie herum geschah noch teilgenommen.
Getrunken hat sie auch. Sie hat sich von den Geschwistern durch Blicke
verabschiedet. Manchmal hat sie sich auch zur Seite gelegt. Sie hatte Krämpfe,
das konnte ich sehen. Meine Hand lag immer auf ihrem Rücken, ganz zart,
ich wollte sie ja nicht belasten. Wenn
man schon eine oder auch mehrere Katzen bis zur Regenbogenbrücke
begleitet hat, kennt man die Anzeichen, weiß man, das es nun zu Ende
geht. Ich musste Karl-Heinz die letzte Stunde rausschicken, da lag eine
sterbende Katze bei mir, die ich nur gestreichelt habe, der ich ihre
ganze Lebensgeschichte immer und immer wiedererzählt habe, bei der ich
mich für alles bedankt habe, die ich geküsst habe. . . ich wollte ihr
Ruhe vermitteln, sie sollte in Frieden von uns gehen. Doch da stand
hinter mir ein derart in Tränen aufgelöster Mann.... der sein
seelisches Gleichgewicht nach der Krebs-OP am Auge noch nicht wieder
gefunden hatte . . . . ich bin stark, aber das ging fast über meine Kräfte!
Es ging nicht anders, ich musste Aisha ganz allein begleiten. Karl-Heinz
saß bei den anderen Katzen im Hof. Irgendetwas
stirbt immer in mir, wenn jemand, den ich sehr geliebt hat, von mir
geht. Ich habe schon einige Menschen und Tiere verloren. Mein starker
Wille schafft es jedes mal, meine ganze Kraft zusammen zu nehmen und
mich erst nachher richtig weinen zu lassen. Menschen die mich nicht
richtig kennen, denken deshalb ich bin kaltschnäuzig. Die letzten Sekunden in Aishas Leben werde ich nie vergessen, das habe ich bisher noch bei keiner sterbenden Katze erlebt. Die meisten Katzen sind in meinem Arm gestorben, Aisha wollte in das kuschelige Kissen. Die letzte Stunde hat sie den Kopf nach hinten gebogen, so das die Augen im Kissen verborgen waren und ich sie nicht sehen konnte. Ich habe immer sehr leise in mich hinein geweint, aber ohne Brille kann ich ohnehin nur verschwommen sehen und die Tränen haben ihr übriges getan. Plötzlich hat Aisha Milchtritt ins Kissen gemacht. Ich glaube das galt mir, sie wollte mir zeigen das es genau so, wie ich ihr bei dem Weg zur Regenbrücke zur Seite gestanden habe richtig ist, das sie sich wohlfühlt. Dann hat der ganze Körper angefangen zu zittern, es liefen Wellen durch den Körper, sie hat gaaanz tief ausgeatmet und ich habe kein Leben mehr gefühlt, ehrlich nicht. Und dann hebt diese Katze den Kopf - was muss das für eine Kraftanstrengung gewesen sein, vielleicht war die Seele schon an der Regenbogenbrücke angekommen, aber der Körper wollte sich noch von mir verabschieden .... - und sieht mich noch einmal kurz aus diesen wunderschönen grünen Augen an, dann fällt der Kopf zurück und sie hat ihr Leben ausgehaucht. Um 19.32 Uhr hat sie uns für immer verlassen. Aisha
ist die 2. Katze in diesem Jahr, die wir nicht mehr bei uns
haben, das war einfach zu viel für uns. Der Scherz um den Verlust
unseres Katers Tarzan ist noch nicht verebbt und nun ist auch unsere
Dicke nicht mehr bei uns. Ich
gehe jeden Tag zu Aisha´s Grab, bringe frische Blumen und rede mit ihr.
Und mein letzter Blick, bevor wir schlafen gehen, gilt nun nicht mehr
nur meinem Felixkater, sondern auch ihr. Ich weiß, da oben am Himmel
ist ein kleiner, neuer Stern. Eines Tages werde ich sicher sein, welche
Sterne zu Felix und Aisha gehören, sie müssen sehr hell sein und sehr
schön leuchten. Ich
glaube fest daran, das Aisha ihren Nachlass in den letzten Tagen
geregelt hat. Ihre
Geschwister vermissen sie, es ist ruhiger geworden bei uns. Und das kann
nicht nur daran liegen, das wir z.Zt. Winter haben. Es ist ja unser 4.
Winter im Cortijo, wir wissen wie es vorher war. Wir
werden sie immer an den Plätzen sehen, an denen sie sich so gerne
aufgehalten hat. Ich habe ihr einen Strauss von Klee und Thymian in den
Sarg gelegt, Klee weil sie so gerne darin gelegen hat, er ist bei uns
manchmal so hoch das man sich darin verstecken kann und Thymian, weil
sie so gerne daran gerochen hat. Ihren Sarg bedeckt eine dicke Schicht
von Klee. Er ist sehr früh in diesem Jahr im Garten. Sie hat ein
ruhiges, aber sonniges Plätzchen bei uns bekommen. Es stehen viele
Lichter auf dem Grab, die ich zum Gedenken anzünde. Wir sind am
21.12.2002 von Roquetas de Mar in unser Cortijo aufs Land gezogen. Aisha
ist die erste Katze, die wir in unserem neuen Zuhause begraben mussten.
Irgendwann werden ihr die Geschwister und auch wir folgen. Ich weiß,
ich werde sie in den Augen unserer anderen Katzen sehen. Irgendetwas
wird mich tagtäglich an Aisha erinnern. Wenn ich meine Augen schließe
und ganz intensiv an Aisha denke, dann spüre ich ihr Streicheln um
meine Beine. Und in der Nacht, wenn sie immer auf meinen Bauch kam um zu
schnurren, dann höre ich sie. Sie hat ihren Frieden gefunden und auch
wir, Karl-Heinz und ich, werden irgendwann ohne dieses beklemmende Gefühl
in der Brust an sie denken können. Irgendwann, ja irgendwann sind wir
alle wieder zusammen. Es warten schon einige Tiere die wir sehr lieb
hatten dort auf uns. Blacky ist 2000 von uns gegangen, Felix, Mautzi und
Romeo im Jahr 2001. Und unser Tarzan, der am 1. Juli 2005 verschwunden
ist. Ich
bin Hobbymalerin, deshalb werde ich irgendwann ein Bild für alle Katzen
von uns malen, die schon im Regenbogenland sind. Und mir große Mühe
geben, das sie unseren verstorbenen Lieblingen ähneln. Frauchen
Monika am 21. Januar 2006
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Webseite erstellt: 19. Januar 2006 - Änderung am:01/10/2006 © Fotos: Karl-Heinz Baumgärtner |
| © Text/Fotos/Design: Webmissis Monika Helbig |