Die
Spanier gelten allgemein als sehr abergläubiges Volk: Sie
sind nicht nur berühmt für ihre Kirchen und
Kathedralen, sondern
auch für die Art und Weise wie sie Kirchenfeste
begehen. Sogar
wenn man niest, rufen
die Andalusier nicht einfach "Gesundheit"
("Salut!"), sondern "Jesús!" Doch
aufgepasst! Hier
spielt nicht der Glaube, sondern eher der Aberglaube die größere
Rolle: Im
Mittelalter galt das Niesen nämlich als Vorankündigung eines
Unheils. Um
sich davor zu schützen, rief man den Heiland an. Dieser
Brauch ist bis heute geblieben. Auch
die Geflogenheit, sich zu segnen, sobald man schlechte
Neuigkeiten hört oder
eine mit Unglück assoziierte Person sieht - zum Beispiel eine
rothaarige - wird
bis heute in vielen Teilen Andalusiens praktiziert. Schwarze
Katzen
Manche
abergläubische Riten kennen wir nur zu gut aus dem eigenen
Land. Es
gibt aber auch andere, die uns eher "spanisch"
vorkommen. Doch
eins ist allem Aberglauben gemein: Durch
Logik zeichnet er sich bekanntlich nicht aus. Wir
kennen die abergläubischen Regeln, dass es etwas Unglück
bringen soll, wenn
eine schwarze Katze den Weg kreuzt, wenn
wir einen Spiegel zerbrechen oder
unter einer angelehnten Leiter hindurchgehen. Auch
ist uns der Ausdruck "mit dem falschen Fuß
aufstehen" durchaus geläufig. Die
Zahl 13
Die
Angst vor der Zahl 13 hat sogar einen Namen:"
Triskaidekaphobie". Menschen
mit dieser Phobie meiden Räume, Stockwerke oder allgemein die
Zahl 13. Berühmte
Menschen, die an dieser Phobie litten, waren zum Beispiel Napoleon,
der an keinem 13. die Schlacht führte, Bismarck,
der nie Verträge an einem 13. unterzeichnete oder
Henry
Ford,
der an solchen Tagen erst gar nicht zur Arbeit ging. Viele
Menschen glauben auch, das es größtes Unglück bringt, mit
13 Personen an einem Tisch zu sitzen. Dieser
Aberglaube hat seinen Ursprung wahrscheinlich im letzten
Abendmahl, das
Christus mit seinen zwölf Jüngern feierte, das
Ende dieser Feier ist hinreichend bekannt. Soweit
zu den Gemeinsamkeiten. Schwarzer
Dienstag
Während
bei uns in Deutschland aber ganz klar ein Freitag der 13. zum
Unglückstag erklärt wurde - der
Wochentag, an dem Jesus gekreuzigt wurde und an dem Adam
und Eva von der verbotenen Frucht aßen-, ist
es in Spanien der Dienstag. An
einem Dienstag den 13. zu reisen oder gar zu heiraten ist
für einen abergläubischen Spanier undenkbar. Warum
Dienstag? In
Spanien sind die Wochentage nach den griechischen Göttern
benannt. "Martes,
also Dienstag, stammt von "Marte": Mars. Der
ist in der griechischen Mythologie der Gott des Krieges, Mars
ist auch der rote Planet. Assoziiert
wird das mit Zerstörung, mit Blut und Gewalt. Zum
anderen sagt die Legende vom Turmbau zu Babel, dass
es ein Dienstag der 13. war, an
dem die Menschen die Sprache der anderen nicht mehr verstehen
konnten. Grund
genug für die Spanier, den Dienstag zum Unglückstag zu
erklären. Glück
im Unglück haben sie damit aber dennoch. Im
Gregorianischen Kalender ist nämlich wegen des
Schaltjahres der
Freitag der 13., der Tag, der am häufigsten vorkommt: Alle
400 Jahre gibt es sozusagen zwei "schwarze Freitage"
mehr, als
es "schwarze Dienstage" gibt. Toi,
toi, toi
Wer
durchaus von dem Aberglauben der Andalusier profitieren
kann, sind
die Zigeuner (Gitanos). So
mancher Andalusier glaubt nämlich, dass die Gitanos die Macht
haben, Flüche
auszusprechen und ist daher -
um einer möglichen Verwünschung zu entgehen- gerne
bereit, den ein oder anderen Euro zu "spenden". Friedhelm
Peters, der
deutsche evangelische Pfarrer an der Costa del Sol, fährt
seit drei Jahren die Küste rauf und runter, um
Glauben statt Aberglauben zu verkünden. Er
würde es natürlich begrüßen, die
Menschen würden aus reiner Nächstenliebe und
nicht aus Angst vor einem möglichen Fluch spenden. Er
weiß, das der Ausspruch "Toi, toi,toi", aus dem
Aberglauben stammt. Es
ist Mittelhochdeutsch und bedeutet "Teufel, Teufel,
Teufel". Für
Peters eine vollkommen falsche Adresse. "Wenn
etwas gut gegangen ist, sagt man doch nicht 'Teufel, Teufel,
Teufel', weil
ich dem Teufel entgangen bin, sondern "Gott sei
Dank", Gott
hat mir schließlich geholfen. Seinen
Standpunkt zum Aberglauben beschreibt er so: "
Es gibt nichts Schöneres als zum Original zu beten. Warum
sollte man sich auf eine Kopie einlassen?" Recht
mag er haben, der Kirchenmann, aber ganz ohne Aberglauben - ohne
Talisman, Glücksklee oder Schornsteinfeger - wäre
es doch langweilig!
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