Cortijo de Ensueño, La Boca de los Frailes, E-04118 San José


 
 

 

Schwarze Katzen und Dienstage

(Quelle Costa del Sol Nachrichten, Nr. 520, vom 21. September 2006)

 



Der Aberglaube folgt oft keiner Logik und keinen Regeln -

Trotzdem setzt er überall seine Spuren.

Von Nicole Lauscher.

          

    

 

Die Spanier gelten allgemein als sehr abergläubiges Volk:

Sie sind nicht nur berühmt für ihre Kirchen und Kathedralen, 

sondern auch für die Art und Weise wie sie Kirchenfeste begehen. 

Sogar wenn man niest,

rufen die Andalusier nicht einfach "Gesundheit" ("Salut!"), sondern "Jesús!"

Doch aufgepasst! 

Hier spielt nicht der Glaube, sondern eher der Aberglaube die größere Rolle: 

Im Mittelalter galt das Niesen nämlich als Vorankündigung eines Unheils. 

Um sich davor zu schützen, rief man den Heiland an. 

Dieser Brauch ist bis heute geblieben. 

Auch die Geflogenheit, sich zu segnen, sobald man schlechte Neuigkeiten hört 

oder eine mit Unglück assoziierte Person sieht - zum Beispiel eine rothaarige - 

wird bis heute in vielen Teilen Andalusiens praktiziert.

 

Schwarze Katzen

Manche abergläubische Riten kennen wir nur zu gut aus dem eigenen Land.

Es gibt aber auch andere, die uns eher "spanisch" vorkommen.

Doch eins ist allem Aberglauben gemein:

Durch Logik zeichnet er sich bekanntlich nicht aus.

Wir kennen die abergläubischen Regeln, dass es etwas Unglück bringen soll,

wenn eine schwarze Katze den Weg kreuzt,

wenn wir einen Spiegel zerbrechen

oder unter einer angelehnten Leiter hindurchgehen.

Auch ist uns der Ausdruck "mit dem falschen Fuß aufstehen" durchaus geläufig.

 

Die Zahl 13

Die Angst vor der Zahl 13 hat sogar einen Namen:" Triskaidekaphobie".

Menschen mit dieser Phobie meiden Räume, Stockwerke oder allgemein die Zahl 13.

Berühmte Menschen, die an dieser Phobie litten, waren zum Beispiel

Napoleon, der an keinem 13. die Schlacht führte,

Bismarck, der nie Verträge an einem 13. unterzeichnete

oder Henry Ford, der an solchen Tagen erst gar nicht zur Arbeit ging.

Viele Menschen glauben auch, das es größtes Unglück bringt,

mit 13 Personen an einem Tisch zu sitzen.

Dieser Aberglaube hat seinen Ursprung wahrscheinlich im letzten Abendmahl,

das Christus mit seinen zwölf Jüngern feierte,

das Ende dieser Feier ist hinreichend bekannt.

Soweit zu den Gemeinsamkeiten.

 

Schwarzer Dienstag

Während bei uns in Deutschland aber ganz klar ein Freitag der 13.

zum Unglückstag erklärt wurde -

der Wochentag, an dem Jesus gekreuzigt wurde und an dem

Adam und Eva von der verbotenen Frucht aßen-,

ist es in Spanien der Dienstag.

An einem Dienstag den 13. zu reisen oder gar zu heiraten

ist für einen abergläubischen Spanier undenkbar.

Warum Dienstag?

In Spanien sind die Wochentage nach den griechischen Göttern benannt. 

"Martes, also Dienstag, stammt von "Marte": Mars.

Der ist in der griechischen Mythologie der Gott des Krieges,

Mars ist auch der rote Planet.

Assoziiert wird das mit Zerstörung, mit Blut und Gewalt.

Zum anderen sagt die Legende vom Turmbau zu Babel,

dass es ein Dienstag der 13. war,

an dem die Menschen die Sprache der anderen nicht mehr verstehen konnten.

Grund genug für die Spanier, den Dienstag zum Unglückstag zu erklären.

Glück im Unglück haben sie damit aber dennoch.

Im Gregorianischen Kalender ist nämlich wegen des Schaltjahres 

der Freitag der 13., der Tag, der am häufigsten vorkommt:

Alle 400 Jahre gibt es sozusagen zwei "schwarze Freitage" mehr,

als es "schwarze Dienstage" gibt.

 

Toi, toi, toi

Wer durchaus von dem Aberglauben der Andalusier profitieren kann, 

sind die Zigeuner (Gitanos).

So mancher Andalusier glaubt nämlich, dass die Gitanos die Macht haben,

Flüche auszusprechen und ist daher

- um einer möglichen Verwünschung zu entgehen-

gerne bereit, den ein oder anderen Euro zu "spenden".

Friedhelm Peters,

der deutsche evangelische Pfarrer an der Costa del Sol,

fährt seit drei Jahren die Küste rauf und runter,

um Glauben statt Aberglauben zu verkünden.

Er würde es natürlich begrüßen,

die Menschen würden aus reiner Nächstenliebe

und nicht aus Angst vor einem möglichen Fluch spenden.

Er weiß, das der Ausspruch "Toi, toi,toi", aus dem Aberglauben stammt.

Es ist Mittelhochdeutsch und bedeutet "Teufel, Teufel, Teufel".

Für Peters eine vollkommen falsche Adresse.

"Wenn etwas gut gegangen ist, sagt man doch nicht 'Teufel, Teufel, Teufel',

weil ich dem Teufel entgangen bin, sondern "Gott sei Dank",

Gott hat mir schließlich geholfen.

Seinen Standpunkt zum Aberglauben beschreibt er so:

" Es gibt nichts Schöneres als zum Original zu beten.

Warum sollte man sich auf eine Kopie einlassen?"

Recht mag er haben, der Kirchenmann, aber ganz ohne Aberglauben -

ohne Talisman, Glücksklee oder Schornsteinfeger -

wäre es doch langweilig!

 

 

 

 

Hier geht es zu den Postkarten mit "Deutsch-Spanischen" Texten,

Sprüche mit Katzen und Sprüche Spanisch-Deutsch,

Monika

Lessing:

Der Aberglaub´, in dem wir aufwachsen,

verliert, auch wenn wir ihn erkennen,

darum doch seine Macht nicht über uns. -

Es sind nicht alle frei,

die ihrer Ketten spotten.

 

 


   Webseite erstellt: 25. September 2006 - Änderung am:27/09/2006

   ©  Fotos: Karl-Heinz Baumgärtner

   ©  Texte und Design: Webmissis Monika Helbig