Cortijo de Ensueño, La Boca de los Frailes, E-04118 San José


 

 

 

Der Weg zur Regenbogenbrücke

 

 
 

 

Die kleine weiße Katze tapste mit unsicheren Schritten vorwärts.
Wo war sie? Warum hatte sie plötzlich keine Schmerzen mehr?
Sie fühlte sich so gut wie schon lange nicht mehr.
Es war dunkel, sie konnte trotz ihrer guten Augen nichts erkennen.

Angst? Nein, Angst hatte sie keine.
Ihr war nicht mehr kalt.

In ihrem Köpfchen hämmerte nur ständig ein und dieselbe Frage.
Wo war sie?
Die Dunkelheit hüllte sie vollkommen ein. Vollkommen?

Nein, am Ende der großen Dunkelheit konnte sie ein Licht erkennen.

Schemenhaft nur, dennoch war sie sich sicher, sie musste es erreichen.

Vorsichtig ging sie weiter. Immer weiter auf das Licht zu.

Sie spürte eine wohlige Wärme, ein herrlicher Duft stieg ihr in die Nase.

Es roch nach Meer, sie konnte sogar Möwen hören.
Erinnerungen an ihren letzten Seeurlaub stiegen in ihr auf.

Sie hätte nie gedacht, dass Möwen so groß sind.
Ihre Neugier trieb sie weiter, doch noch etwas anderes,

etwas nicht zu beschreibendes trieb sie an,

ein Pfötchen vor das Andere zu setzen.
Der Duft wurde immer intensiver und jetzt

konnte sie auch Geräusche wahrnehmen.

Ein unbeschreiblich schönes Rauschen.

Es hörte sich an, als würde jemand singen.
Sie verharrte für einen kurzen Moment um diesen Gesang

in sich aufzunehmen, dann ging sie weiter.

Das Licht wurde heller und heller, die Geräusche immer lauter

und deutlicher. Es ging ihr gut.
Nicht mehr lange und ihre Neugierde würde befriedigt werden.
Aber wo war Frauchen?
Sie konnte und durfte diesen Augenblick doch nicht verpassen.

Eben noch hatte sie ihre warme Hand auf ihren Körper gespürt.

Sanft strich sie über ihr Fell. Ihr Fell...
Es glänzte wieder und war voll und weich,

so wie Frauchen es liebt dachte die kleine weiße Katze.

Darüber wird sich Frauchen freuen.

In letzter Zeit hat sie , sie immer so mitleidig angesehen

wenn sie mit ihrer Bürste über ihr Fell strich.
Wo war Frauchen?
Das Licht kam näher und näher. Bald würde sie wissen,

was sich hinter diesem schönen, warmen Licht verbirgt.
Sie drehte sich um, suchte in der Dunkelheit ihr Frauchen,

fand sie nicht und schritt weiter.
Nur noch ein paar Schritte und das Licht würde ich aufsaugen,

sie einhüllen und niemals wieder hergeben.
Dann war es soweit. Die kleine weiße Katze tauchte ein in den hellen Schein.
Eben noch von Dunkelheit umgeben, stand sie nun an einem herrlichen Ort.

Es war warm, es roch herrlich nach Sommer

und der Gesang der Wellen betäubte ihre Ohren.
Wo war sie?
Sie blickte sich um, doch egal wo sie hinblickte,

überall war die Welt nicht mehr so, wie sie, sie kannte.

Alles war so schön.
Sie blickte nach rechts und da sah sie, sie....
Sie ragte am Ufer heraus und verlief über die See...
Die Regenbogenbrücke.
Sie war unendlich schön, rechts und links rankten bunte Blumen,

deren Farben einem Regenbogen glichen.

Ihre Stufen waren ebenmäßig und rein.

Sie musste einfach über diese Stufen laufen.
Ihr kleines Herz raste.

Sie wollte nur noch diese Brücke erreichen und wie sie sie betrat

hatte sie das Gefühl, sie würde auf Samt laufen.

Die Stufen fühlten sich warm und weich an.
Inmitten der Brücke hielt sie inne.

 Drehte ihr Köpfchen, blickte zurück um ihr Frauchen zu suchen.
Sie spitzte die Ohren, vielleicht konnte sie, sie ja hören?
Sie hob ihr Näschen in die Luft, vielleicht konnte sie, sie ja riechen?
Doch außer dem Rauschen der Wellen und dem lieblichen Duft

des weiten Meeres konnte die kleine weiße Katze nichts riechen oder hören.
Sie setzte ihren Weg fort.
Am Ende der Brücke konnte die kleine weiße Katze eine Gestalt erkennen.
Wartete dort ihr Frauchen?
Ihr Schwänzchen hob sich in die Höhe und sie rannte die letzten Meter.

Sie rannte und rannte, voller Freude auf ihr Frauchen.

Endlich konnte sie wieder ihre Hände auf ihrem Fell spüren.
Doch diese Gestalt war nicht ihr Frauchen.

Sie kannte diese Person nicht. Auch wenn sie freundlich lächelnd auf ihr hinabblickte, sie war vorsichtig.
Die freundliche Gestalt hielt ihr die Hand entgegen

und die kleine weiße Katze schnupperte vorsichtig.
In ihren Augen leuchtete es so liebevoll,

wie sie es nur von ihren Frauchen kannte.
Leise, aber mit eindringlicher Stimme sprach die Gestalt auf ihr ein:“ Herzlich Willkommen Bella.“
Sie verstand nicht. Wo war sie?
Sie blickte die Gestalt an und miaute.
Lächelnd beugte sich die Gestalt nieder und strich ihr über ihr Fell.
„Du wirst verstehen.....Geh nur weiter.“
„Du hast nun Deinen Platz gefunden.“
Noch immer verstand sie nicht, folgte aber dem Rat und ging weiter.
Um ihr herum blühten farbenprächtige Blumen

 auf nimmersatten grünen Wiesen.

Schmetterlinge tanzten durch die Luft.

Dieser Ort war ein Paradies.
Sie spürte das warme, weiche Gras unter ihren Pfötchen.
Die Gestalt stand noch immer an der Stelle, wo sie begrüßt wurde.
Sie bewegte sich nicht. Sie stand einfach nur so da...
Auf einmal stieg ihr ein bekannter Geruch in die Nase.

Sie spitze ihre Öhrchen, streckte ihr Schnäuzchen in die Luft

und versuchte, dem Geruch zu folgen.
Schritt für Schritt tastete sie sich vor, bis sie vor einem Hügel stand.

Da musste sie hoch.

Getrieben von dem bekannten Geruch und ihrer liebevollen Neugier

 rannte sie den Hügel hoch, oben angelangt raste ihr Herz wie verrückt

 und sie war völlig ausser Atem, doch ihr Blick glitt hinab dem Hügel.
Da sah sie ihn..... Claudio!!!!
Ihren Bruder, den sie so lange nicht gesehen hat.

Der mit einem Mal verschwunden war.

Die kleine weiße Katze wollte gerade zum Sprung ansetzen,

da wurde sie von ihrem Bruder erblickt.

Die beiden rannten aufeinander zu und begrüßten sich

mit Mauzen und Schnurren. Sie hatten sich so viel zu erzählen.
Nachdem beide sich ausgiebig begrüßt hatten, ging Claudio voran

und deutete Bella, ihm zu folgen.

Bella folgte ihm und sie gingen auf einen See zu.
Am Ufer des Sees angelangt blickte Bella auf die spiegelglatte Oberfläche und sah ihr Frauchen.
Da war sie ja endlich.

Sie versuchte sie zu berühren, tapste mit ihren Pfötchen auf ihr Gesicht,

wie sie es immer tat, doch sofort löste sich ihr Gesicht in viele kleine Wellen auf

und von ihren Pfötchen tropfte das Wasser.
Sie blickte Claudio fragend und hilfesuchend an,

doch Claudio stand nur da und beobachtete sie.

Bella versuchte es erneut, doch kurz bevor sie die Oberfläche berührte

sah sie die Tränen auf dem Gesicht ihres Frauchens.

Genau diese Tränen, die sie schon öfters in letzter Zeit

bei ihr gesehen hatte.
Sie verstand nicht. Sie zog ihr Pfötchen zurück.
Claudio stellte sich neben ihr und maunzte...
Bella verstand, jetzt verstand sie alles.
Sie war nicht mehr in der Welt, die sie kannte.

Sie konnte ihr Frauchen nicht mehr spüren,

ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern.

Sie konnte nicht mehr unter ihre Bettdecke kriechen

oder mit ihr das Kopfkissen teilen.
Sie war getrennt von ihr. Mit Kilometern nicht zu messen.
Warum war sie hier?
Gut, es ging ihr in letzter Zeit nicht besonders gut,

aber sie wollte doch stark sein. Stark für ihr Frauchen....
Hatte sie versagt?
Da stand die freundliche Gestalt hinter ihr und sprach sanft auf ihr ein:“
Nein meine Kleine, Du hast nicht versagt.

Deine Zeit auf Erden hat Dein Frauchen sehr sehr glücklich gemacht.

Durch Dich hat sie erfahren, was es bedeutet,

hingebungsvoll und ehrlich zu lieben.

Du wirst immer in ihrem Herzen sein,

auch wenn sie Dich nicht mehr sehen, spüren oder hören kann.
Du hast ihr den Weg gezeigt.“
„Ja sie wird dich vermissen, sie wird weinen, sie wird an Gott zweifeln,

aber niemals an Dir und Deiner Liebe zu ihr.“
Bella stand regungslos am Ufer des Sees und blickte noch immer auf die Oberfläche,

sie sah ihr Frauchen,

immer noch Tränenüberströmt und wollte zu ihr.

Doch sie hatte die Worte der Gestalt gehört und verstand immer mehr.
Fragend blickte sie die Gestalt an und wieder lächelte sie:“

Du wirst noch öfter zum Ufer laufen und Dein Frauchen weinen sehen.

Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ihre Tränen versiegen

weil sie Dich geliebt hat.

Doch die Tränen werden dem Lächeln in ihren Augen und ihren Lippen weichen

wenn sie über Dich spricht oder sich erinnert.

Alles braucht seine Zeit.

Sie wird ihr Herz auch wieder für ein neues Geschöpf an ihrer Seite öffnen,

doch das bedeutet nicht, dass sie Dich verdrängt aus ihrem Herzen.

Sie gibt ihr Herz wieder frei für eine neue Liebe,

deren Reinheit und Ehrlichkeit nicht mit menschlicher Liebe zu messen

oder zu vergleichen ist.“
„Und eines Tages, nur Gott weiß wann es so weit ist,

wird sie an der Regenbogenbrücke stehen,

ich werde sie begrüßen wie ich Dich begrüßt habe,

sie wird auf dem Hügel stehen und Du wirst Dein Näschen anheben,

ihr in die Augen blicken und ihr werdet Euch wieder spüren, riechen dürfen.“
„Sie wird Dich in ihre Arme schließen, Du wirst ihre Nase stupsen

und ihr werdet hier, an diesem herrlichen Ort,

für immer und ewig zusammen sein können.“
„Doch bis dahin meine Kleine, dreh Dich um und geh zu den anderen.

Spiele mit ihnen, Du hast es verdient. Blick nicht in den See.

Lebe mit und aus Deinen Erinnerungen und erfreue Dich an dem JETZT.

Der Tag wird kommen, ganz bestimmt.“
Die kleine weiße Katze blickte noch einmal auf das Gesicht ihres Frauchens,

was würde sie dafür tun, ihr noch einmal das Kopfkissen anzuwärmen,

ihre warmen Hände zu spüren, doch sie wusste das dies nicht möglich war.

Sie hatte ganz genau verstanden.

Für sie spielte jetzt die Zeit ein wichtige Rolle.

Sie musste nur abwarten, so als ob Frauchen morgens zur Arbeit geht

und Nachmittags zurück kommt.

Sie würde warten, auf jeden Fall würde Sie warten!

Bella drehte sich um, sah ihren Bruder in die Augen

und beide gingen dem Sonnenuntergang entgegen.

 

 

 

(Copyright by Sylvia Th. /2005)

 

***

 

 
Die Geschichte der Regenbogenbrücke

 

 

Zur Seite der Bilder von der Regenbogenbrücke!

 

 

 

 

 

 

   Webseite erstellt:  Juli 2010 - Änderung am:26/07/2010

   ©   Karl-Heinz Baumgärtner

   ©  Text/Fotos/Design: Webmissis Monika Helbig